VdK-Kreisverband Coburg MdL Susann Biedefeld zur neuen Kreisvorsitzenden gewählt

16. April 2018

Das war ein eindeutiges Ergebnis: Mit sehr großer Mehrheit haben die mehr als 100 Delegierten auf dem mittlerweile 23. Ordentlichen Kreisverbandstag am Samstag in der Sonnefelder Domäne die bisherige SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld zur neuen Coburger Kreisvorsitzenden des Sozialverbandes Coburg gewählt. Sie löst damit Helmutt Ott ab, der seit 1994 an der Spitze des VdK-Kreisverbandes Coburg gestanden hatte. Susann Biedefeld kandidiert im Oktober dieses Jahres nicht mehr für einen Sitz im Maximilianeum.

Die VdK-Bundesvorsitzende und in Personalunion auch bayerische Landesvorsitzende bezeichnete Ott, der auch bisher ihr Stellvertreter an der Spitze des Landesverbands Bayern ist, als klugen und scharfsinnigen Juristen. Er scheue sich genauso wenig, offen und deutlich Missstände anzusprechen, wie charmant Mitstreiter für unsere Sache anzuwerben. „Mit Hellmut Ott an der Spitze haben wir einen energischen Kämpfer für soziale Gerechtigkeit“, sagte Mascher. „Der VdK wird in Coburg untrennbar mit seinem Namen verbunden bleiben.“ In den Dank bezog Ulrike Mascher auch Christa Ott mit ein, die ihren Ehemann bei der Wahrnehmung seiner Ehrenämter immer unterstützt habe.

VdK-Kreisverbandstag Coburg

Abschied von Hellmut Ott. Er war seit 1994 Kreisvorsitzender des Sozialverbandes VdK in Coburg Stadt und Land. Unser Bild zeigt von links: VdK-Kreisgeschäftsführer Thomas Steinlein, Hellmut Ott, Christa Ott, die VdK-Kreisfrauenvertreterin Gudrun Grimmer und Kreisvize Host Nikol.

Der scheidende Kreisvorsitzende Ott lobte sein Mitarbeiterteam, egal ob im Hauptamt oder im Ehrenamt. „Der vielfältige ehrenamtliche Einsatz auf allen Verbandsstufen stellt die stärkste Säule unseres Sozialverbandes dar“ sagte Ott. „Seit nunmehr 70 Jahren setzen sich Idealisten unentgeltlich aus Überzeugung für den Nächsten ein und helfen unseren Verband zur größten Gemeinschaft für alle zu machen.“ Der VdK (ausgeschrieben: „Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und Rentner Deutschlands“) sei die größte Selbsthilfegruppe im Land.

VdK-Kreisverbandstag Coburg

Susann Biedefeld (rechts) löste am Samstag Hellmut Ott (2. von rechts) an der Spitze des VdK-Kreisverbandes Coburg ab. Links ist der Coburger VdK-Kreisgeschäftsführer Thomas Steinlein und daneben Ulrike Mascher, VdK-Bundesvorsitzende und in Personalunion auch bayerische Landesvorsitzende.

Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurden Hans-Jürgen Hofmann und Horst Nikol als stellvertretende Kreisvorsitzende in ihren Ämtern bestätigt. Dritter im Bunde der Stellvertreter ist nun Fredi Schmidt. Schriftführer ist künftig Thomas Heinlein, dessen Stellvertreterin Eveline Kräußlich. Frauenvertreterin bleibt Gudrun Grimmer, die von Elisabeth Güntzer vertreten wird. Tanja und Holger Scholz vertreten im neuen Kreisvorstand die jüngere Generation. Beisitzer/in: Andreas Hopf, Andreas Kirchner, Astrid Kirchner, Reinhard Wolf und Gerald Zutter. mako

VdK-Kreisverbandstag Coburg
Foto: Der neu gewählte VdK-Vorstand im Kreisverband Coburg rund um die neue VdK-Kreisvorsitzende Susann Biedefeld.

Die bayerische und deutsche VdK-Vorsitzende Ulrike Mascher hat einige von der neuen Bundesregierung beabsichtigte Verbesserungen in der Rentenversicherung begrüßt. So sei der Sinkflug des Rentenniveaus bei 48 48 Prozent gestoppt worden und soll bis 2025 auf diesem Niveau stabilisiert werden. Das soll es aber auch noch nicht gewesen sein: „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem aber ein Anstieg des Rentenniveaus auf 50 Prozent folgen muss“, sagte Mascher, einst Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium unter Walter Riester.

Sie freute sich auch darüber, dass die Zurechnungszeiten für Erwerbsminderungsrentner erhöht werden sollen. „Allerdings wollen wir nicht hinnehmen, dass nur Zugangsrentner von dieser Reform profitieren sollen“, sagte sie am Samstag beim VdK-Kreisverbandstag in der Domäne Sonnefeld. „Um die stark armutsgefährdete Gruppe der Erwerbsminderungsrentner effektiver vor Armut zu schützen, ist es unerlässlich, auch die Bestandsrentner von dieser Regelung profitieren zu lassen.“ Erwerbsminderung sei keine freiwillige Entscheidung. „In einer sozial gerechten Gesellschaft dürfen die Betroffenen für ihre Krankheit nicht auch noch finanziell gestraft werden.“

Zustimmung beim VdK findet auch die geplante Altersvorsorgepflicht für Selbstständige. Mascher lehnte aber pprivat organisierte Lösungen ab. Sie plädierte für eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung. Mascher: „Wir wollen, dass die Menschen profitieren, nicht die Versicherungswirtschaft.“ Das sei die beste und sicherste Lösung.

VdK-Kreisverbandstag

Nicht so recht zufrieden ist die ehemalige Staatssekretärin mit den angekündigten Verbesserungen in den Mütterenten. Diese Verbesserungen sollen nach jetzigem Erkenntnisstand nur für Mütter mit drei und mehr Kindern gelten, die vor 1992 geboren worden seien. Die Differenzierung sei aus Kostengründen erfolgt. „Kindererziehung ist eine gesamtgesellschaftliche Leistung, die muss zwingend aus Steuermitteln finanziert werden“, argumentierte Mascher. „Der VdK wird keine Ruhe geben.“

Mascher forderte einen Kampf gegen die drohende Altersarmut. Die von der Großen Koalition geplante Grunderente, ein Zuschlag von zehn Prozent auf die Grundsicherung, sei aber nicht geeignet. Die Zugangsvoraussetzungen, so etwa 35 Jahre an Beitragszeiten seien nicht praxisgerecht.

Mascher begrüßte die Wiederherstellung der vollen paritätischen Finanzierung bei den Krankenkassenbeiträgen. Die möglichen Verbesserungen bei der Pflege reichten definitv nicht aus. Ein Plus von 8.000 Stellen im Pflegebereich bei 13.600 Pflegeeinrichtungen ergabe gerade mal 0,85 Stellen pro Einrichtung. Der deutsche Pflegeverband rechne tatsächlich mit einem Bedarf von 100.000 bis 150.000 Stellen. „Da ist mit zusätzlichen 8.000 Stellen keine spürbare Verbesserung zu erreichen.“

Von den über 1,8 Millionen VdK-Mitgliedern in ganz .“Deutschland seien fast 678.000 im Freistaat Bayern zu Hause, informierte Mascher. Der VdK habe im vergangenen Jahr fast 40 Millionen Euro an Nachzahlungen für seine Mitglieder durchgesetzt.

Thomas Steinlein, seit 1996 VdK-Kreisgeschäftsführer in Coburg betonte: „Soziale Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für den Inneren Frieden und die Stabilität unserer Demokratie. Der VdK habe in Coburg Stadt und Land fast 10.200 Mitglieder. 17.500 Mitglieder hätten beim VdK Coburg um Rat und Hilfe nachgesucht. Es seien in 2017 1.872 Rechtsmittel in Form von Widersprüchen und Klagen eingereicht worden. Für die Coburger Mitglieder sei ein Nachzahlungsbetrag von 2,5 Millionen Euro erreicht worden. Ein Höhepunkt bei den Veranstaltungen des vergangenen Jahres seien im September die 70-Jahr-Feier des Kreisverbandes gewesen und eine Großkundgebung vor der Bundestagswahl.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach lobte den VdK als Erfolgsgeschichte für das Gemeinwohl. Coburgs Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber kündigte weitere Anstrengungen zur Barrierefreiheit in Coburg an. Landrat Michael Busch hofft auf weitere Zuzüge zur Störkung des Pflegefachkräftekonzeptes. Rudolf Kirchberger vom „Zentrum Bayern Familie und Soziales“ (ZBFS) in Bayreuth wies darauf hin, dass 10,6 Prozent der Bevölkerung in Oberfranken als schwerbehindert einzustufen seien. An anderer Stelle wies Ulrike Mascher darauf hin, dass dagegen nur vier Prozent aller Menschen von Geburt an behindert seien.

Text und Fotos: Martin Koch

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