„Für Tiere gibt es keine Obergrenze!“

18. Oktober 2017

Tierschutzpolitischer Stammtisch der SPD-Landtagsfraktion in Regensburg traf auf große Resonanz

Tierschutz Stammtisch Regensburg4
Das Tierheim Regensburg

Rund ums Tier gab es viel zu besprechen, als sich Tierschützer aus ganz Ober-, Mittel-, und Unterfranken sowie der Oberpfalz auf Einladung der SPD-Landtagsfraktion und ihrer tierschutzpolitischen Sprecherin MdL Susann Biedefeld (Coburg) zum „Nordbayerischen Tierschutzpolitischen Stammtisch“ im Tierheim in Regensburg trafen. Die Gastgeberin begrüßte unter den zahlreichen Tierschützern auch zwei besondere Gäste: die Regensburger SPD-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Margit Wild und Tilo Weber, Fachreferent der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes.

Tierschutz Stammtisch Regensburg1
„Tierversuche in Bayern: Forderungen an die Politik“ lautete das Thema des Nordbayerischen Tierschutzpolitischen Stammtisches der SPD-Landtagsfraktion in Regensburg. Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild (rechts) und ihre oberfränkische Kollegin und tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Susann Biedefeld (links) bedanken sich bei Tilo Weber, Fachreferent für Alternativmethoden zu Tierversuchen von der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes.

Zentrales Thema des Stammtisches war „Tierversuche in Bayern: Forderungen an die Politik“. Tilo Weber, Fachreferent für Alternativmethoden zu Tierversuchen, informierte die Teilnehmer in seinem Vortrag über alle Aspekte von Tierversuchen – Geschichte, medizinische Fakten, Zahlen, Nutzen und Alternativen zu Tierversuchen. In Bezug auf die Situation der Tierversuche in Bayern kam er insgesamt zu dem ernüchternden Fazit: „Für Tiere gibt es keine Obergrenze!“ So würden aufgrund der Auslegung des Gesetzestextes beinahe alle Anträge für Tierversuche genehmigt. Im Jahr 2015 seien allein in Bayern etwa 420.000 Tierversuche durchgeführt worden, deutschlandweit waren es 2,8 Millionen. Auch informierte Tilo Weber die Teilnehmer über die zahlreichen Hürden, die Alternativmethoden zu Tierversuchen überwinden müssen, wie mangelnde Finanzierung durch Bund und Länder, fehlenden politischen Willen und hohe Zulassungshürden.

Tierschutz Stammtisch Regensburg2
Vortrag von Tilo Weber, Fachreferent für Alternativmethoden zu Tierversuchen an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes

Aktuelle Brisanz hatten die Themenauswahl und der Vortrag von Tilo Weber im Hinblick auf die kürzlich öffentlich gewordenen Pläne einer Privatuniversität am Klinikum Nürnberg neue Tierversuche durchführen zu wollen. Diese Nachricht bestimmte auch den Verlauf der Diskussionsrunde. Besonders die Frage, wie man auf diese Nachrichten reagieren soll, wurde ausgiebig diskutiert. So wurde unter anderem auf die bereits laufende Petition „Keine Genehmigung für Tierversuche am Nürnberger Klinikum“ (Link: https://www.change.org/p/stadt-n%C3%BCrnberg-keine-genehmigung-f%C3%BCr-tierversuche-am-n%C3%BCrnberger-klinikum) hingewiesen und über mögliche politische Maßnahmen, die gegen Tierversuche ergriffen werden können, gesprochen. Stellvertretende Fraktionsvorsitzende Margit Wild versprach den vorgeschlagenen Antrag ihrer Kollegin Biedefeld auf Stopp des Genehmigungsverfahrens neuer Tierversuche in Nürnberg zu unterstützen.

Tierschutz Stammtisch Regensburg3
Der 3. Nordbayerische Tierschutzpolitische Stammtisch traf auf große Resonanz bei Tierschützern aus ganz Nordbayern

Die oberfränkische Abgeordnete informierte die zahlreichen Teilnehmer über eine Vielzahl von parlamentarischen Initiativen der SPD-Landtagsfraktion mit der Zielsetzung mehr Tierschutz und damit weniger Tierleid zu erreichen. „Die tierschutzpolitische Arbeit der SPD-Landtagsfraktion kann sich sehen lassen. Keine andere Fraktion nimmt sich dieser Thematik mehr an. Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Tierschützer mit verheerenden Folgen für die Tiere, dass die CSU im Bayerischen Landtag alle parlamentarischen Initiativen der SPD ablehnt.“

Tierschutz Stammtisch Regensburg5
Der Stammtisch bei der Diskussion

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Rubrik „Wo drückt der Schuh?“ – bei der die anwesenden Tierschützer ihre Anliegen vortragen konnten und gemeinsam mögliche Lösungen diskutierten. Dabei ging es unter anderem um tagesaktuelle Themen wie etwa den Fall der freigelassenen Wölfe im Bayerischen Wald sowie den Vorschlag von Hans-Joachim Zielke die Einführung einer Zwangskastration für freilaufende Katzen in Bayern voranzubringen, um so der Überpopulation an Katzen Herr zu werden. Susann Biedefeld merkte jedoch an, dass die CSU und die Freien Wähler bereits mehrere Anträge, die darauf abzielten das Katzenleid zu verringern, abgelehnt und dabei stets auf die Zuständigkeit der Gemeinden verwiesen haben. Daher, so Biedefeld weiter, sei es wichtig, diese Problematik in den Kommunen zur Sprache zu bringen und vor Ort für ein Bewusstsein zu sorgen.

Tierschutz Stammtisch Regensburg6

Auch die finanzielle und organisatorische Überbelastung vieler Tierheime wurde angemahnt, da viele Gemeinden keine ausreichende Fundtierpauschale zahlen. Problem seien auch ständig neue Tiere aus illegalen Tiertransporten. Diese Tiere müssten teuer geimpft und medizinisch versorgt werden, bevor sie zur Vermittlung freigegeben werden dürfen. Ein besonderer Fall sei der des Tierschutzvereins Schweinfurt, der gegen das Landratsamt Schweinfurt wegen der Kostenübernahme für Welpen aus einem illegalen Transport klagt. Johannes Saal, Vorsitzender des Tierschutzvereins Schweinfurt, betonte es werde kein Vergleich mit dem Landkreis angestrebt, sondern eine vollständige Übernahme der entstandenen Kosten in Höhe von 30.000 € sei das Ziel des Vereins.

Robert Derbeck (Vorsitzender Tierschutzverein Noris e.V.) hatte etwas Positives zu vermelden, was illegale Tiertransporte betrifft: So hat eine Arbeitsgruppe von engagierten Tierschützern und Experten einen Leitfaden zur Bekämpfung des illegalen Tierhandels ausgearbeitet und diesen der Bundespolizei vorgestellt. Insgesamt sei die Situation bereits besser geworden und verstärkte Kontrollen und deutlich erhöhte Strafen würden beginnen Wirkung zu zeigen. Dennoch wurde die Forderung nach höheren Strafen, wie etwa der Beschlagnahmung der Fahrzeuge, geäußert, um die Täter noch wirksamer abzuschrecken. Besonders wichtig sei es, die beschlagnahmten Tiere nicht an die Besitzer zurückzugeben, forderte Susann Biedefeld. „Bei Drogendelikten bekommen die Täter auch nicht ihre Drogen zurück.“

Teilen