Der Tierschutz benötigt dringend finanzielle Unterstützung - MdL Susann Biedefeld lud Tierschützer aus Nordbayern zum Stammtisch nach Schney

26. März 2018

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Aus ganz Nordbayern kamen Tierschützer auf Schloß Schney zusammen. Die Informationen aus der lebhaften Diskussion nimmt MdL Susann Biedefeld mit nach München.

Dieses Mal war Oberfranken an der Reihe. Zum „Nordbayerischen Tierschutzpolitischen Stammtisch“ der SPD-Landtagsfraktion lud die tierschutzpolitische Sprecherin MdL Susann Biedefeld Tierschützer aus Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken und der Oberpfalz in die Bildungsstätte Franken-Akademie Schloß Schney ein.

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Andreas Brucker, Geschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern, referierte zum Thema „Tierschutzrelevanz in der Landwirtschaft“.

Als besonderer Gast war dieses Mal Andreas Brucker eingeladen, Geschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern. Er hielt einen Vortrag über Tierschutzrelevanz in der Landwirtschaft. Ein weites Feld, wie alle Versammelten feststellten. Brucker gab einen Einblick in verschiedene Probleme industrieller Nutztierhaltung. Legale Tierquälerei, darunter Ferkelkastration und Schnabelkürzung ohne Betäubung. Massentierhaltung, die Stress verursacht, mit Spaltenböden, in denen Klauen stecken bleiben, Käfighaltung, ebenfalls unzureichende Bodenhaltung und das Melken von Kühen rund um die Uhr. Brucker stellte klar: Jeder in der Gesellschaft leistet seinen Beitrag zu dieser Tierquälerei. Fazit: Vegan leben? Brucker erklärt: auch vegane Lebensmittel müssen hergestellt werden. Er weist auf Monokulturen und Pestizide hin, durch die der Regenwald abgeholzt wird und Wildtiere ihre Nahrungsgrundlage verlieren. Und auch Veganer fahren Auto. Bruckers Vortrag zeigt, wie verwoben wir mit der industriellen Nutztierhaltung sind und verdeutlicht, wie wichtig Nachhaltigkeit und der Verzicht auf Billigprodukte sind.

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Aufmerksames Zuhören während des Vortrags, gefolgt von einer intensiven Diskussion.
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MdL Susann Biedefeld überreichte Andreas Brucker ein kleines Geschenk als Dankeschön für seinen Vortrag.

Die oberfränkische Abgeordnete informierte die Tierschützer über parlamentarische Initiativen der SPD-Landtagsfraktion. Besonderes Augenmerk legte sie dabei auf die Beratungen zum Nachtragshaushalt 2018 im März im Bayerischen Landtag. Insbesondere die Anträge für Investitionskostenzuschüsse für bayerische Tierheime und für die Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Ersatzverfahren zum Tierversuch an der Universität Würzburg stießen bei den Stammtisch-Teilnehmern auf große Zustimmung. Nach einer aktuellen Erhebung des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern, belaufe sich der Investitionsrückstau in den bayerischen Tierheimen inzwischen auf circa 65 Millionen Euro. Hierbei handele es sich ausschließlich um reine Baukosten, also Neubau, Anbau, Modernisierung. Dies sei weder von den bayerischen Tierschutzvereinen, noch von den Kommunen zu leisten. „Die bayerischen Tierschutzvereine, die die Pflichtaufgaben der Kommunen wahrnehmen, benötigen dringend staatliche Förderung. Fast jedes dritte Tierheim in Bayern steht inzwischen vor der Insolvenz. Die Staatsregierung lässt die Tierschutzvereine im Regen stehen. So darf das nicht weitergehen“, erklärt Susann Biedefeld.

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Es ergaben sich viele lebhafte Diskussionen mit Tierschützern aus ganz Nordbayern, darunter auch Vertreter des Tierschutzvereins Lichtenfels, die der Einladung von MdL Susann Biedefeld zum 4. Nordbayerischen Tierschutzpolitischen Stammtisch nach Schney gefolgt waren.

Ebenso wie der Antrag auf Investitionskostenzuschüsse für bayerische Tierheime in Höhe von einer Million Euro in 2018 sei auch der Antrag auf Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Alternativverfahren zu Tierversuchen von der CSU abgelehnt worden. Die Erforschung und die Entwicklung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen leisten einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Anzahl von Tierversuchen und tragen damit erheblich dazu bei, unnötiges Tierleid zu verhindern. Einen neuen Antrag hat Susann Biedefeld gerade in den Bayerischen Landtag eingebracht, in dem sie die Staatsregierung auffordert, einen Aktionsplan zur Gewährleistung des Tierschutzes in Bayern zu erstellen. In dem Antrag gehe es unter anderem um die Forderung nach einer bayernweiten Regelung zur Abwicklung der Fundtierpauschale in Zusammenarbeit mit den kommunalen Spitzenverbänden und dem Tierschutzbund Bayern oder auch um die finanzielle und personelle bessere Ausstattung der Behörden im Bereich des Tierschutzes, um den Vollzug des Tierschutzgesetzes zu gewährleisten.

Ein weiteres Thema, das alle Tierschützer in Bayern bewegt, ist die Forderung nach einem Tierschutzverbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzvereine. Viele Bundesländer haben bereits seit geraumer Zeit ein solches Verbandsklagerecht. Die Staatsregierung verweigert sich seit vielen Jahren, hier gleich zu ziehen. Mit einem Minderheitenrecht hat die SPD-Landtagsfraktion hierzu eine Expertenanhörung im Bayerischen Landtag durchgesetzt. Ziel der Expertenanhörung ist die Darstellung der Notwendigkeit eines Klagerechts in Bayern und die Vermittlung von Erfahrungen aus anderen Bundesländern. Diese findet am 17. Mai 2018 in München, im Bayerischen Landtag, statt.

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Ganz besonders wichtig für MdL Susann Biedefeld: verstehen wo der Schuh drückt. Die Erkenntnisse aus dieser Interaktion nimmt die tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion mit nach München, in den Bayerischen Landtag.

Unter der Rubrik „Wo drückt der Schuh?“ konnten Tierschützerinnen und Tierschützer ihre Sorgen und Nöte anbringen. Ausführlich behandelt wurde das Thema Tierschutzvereine und Mindestlohn. Ein Problem, das sich vielen Tierheimen stellt ist, dass sie sich oft finanziell nur knapp über Wasser halten können. Gleichzeitig müssen und wollen sie ihren Mitarbeitern den Mindestlohn zahlen, was für die Tierheime nicht unerhebliche Mehrkosten bedeutet. Dem gegenüber steht die Forderung, dass Landkreise ihre Zuschüsse an Tierschutzvereine als ihre Pflicht ansehen, und diese nicht mit einer freiwilligen Spende verwechselt werden dürfen. Auch Wölfe, Luchse und Biber waren ein wichtiges Thema. Insbesondere der Wolf ist ein Politikum. „Der Wolf ist ein willkommenes Argument, beispielsweise bei der Verhinderung von Nationalparken“, bestätigt Susann Biedefeld. Eine wesentlich ausgewogenere Berichterstattung und bessere Aufklärung gibt es bei Bibern. Einst mit Steuergeld wieder angesiedelt, hat sich jetzt die Stimmung oftmals ins Gegenteil verkehrt: viele wollen den Biber wieder loswerden.

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Mehr Tierschutz im Wahlkampf aktiv einfordern, das legt MdL Susann Biedefeld den Tierschützerinnen und Tierschützern ans Herz.

Ein Thema, das beim gesamten Stammtisch mit im Raum stand, war die Landtagswahl am 14. Oktober 2018 und der bereits anlaufende Wahlkampf. Biedefelds Tipp an alle Tierschützerinnen und Tierschützer: Tierschutz und Tierrechte beim Wahlkampf einfordern. Bei ihren Landtagskandidaten nachhaken, Antworten am besten schriftlich geben lassen und Druck machen, gerade jetzt. „Denn wer nicht kämpft hat schon verloren“ ist sich die SPD-Landtagsabgeordnete sicher.

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Auch tierische Stammtisch-Teilnehmer wohnten der Diskussion aufmerksam bei und taten mitunter ihre Meinung kund.

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